Es gibt Orte, die so aussehen, als hätten sie schon immer existiert. Masuren (die Masurische Seenplatte) erweckt genau diesen Eindruck. Die Seen, die sanften Hügel, die Wälder und die langen Uferlinien wirken natürlich und selbstverständlich. Dabei ist diese ganze Landschaft erstaunlich jung.
Vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren bedeckte ein gewaltiges Inlandeis diesen Teil Europas. Unter der dicken Eisschicht flossen mächtige Schmelzwasserflüsse. Sie waren es, die tiefe Rinnen in den Boden gruben, die später mit Wasser gefüllt wurden.
Die heutigen Seen Masurens sind also gewissermaßen Spuren jener einstigen „Flüsse unter dem Eis“. Es ist ein sehr einfaches Bild, doch wenn man später auf die Seenkarte schaut oder zwischen Tałty und Tałtowisko (ein eiszeitlicher See) fährt, fügt sich alles zu einem logischen Ganzen zusammen.
Die charakteristische Anordnung der langen und schmalen Seen ist kein Zufall. Sie ist gerade das Ergebnis des Gletschers und des Wassers, das vor Tausenden von Jahren unter ihm floss. Deshalb haben viele Seen steile Ufer und einen tiefen Grund schon wenige Meter vom Ufer entfernt.
Das Land der Großen Masurischen Seen gehört zu den jüngsten Landschaften Polens. Geologisch ist dieser Ort noch immer „frisch“. Vielerorts sieht die Natur noch so aus, als hätte sie das Gelände nach dem Rückzug des Eises gerade erst aufgeräumt.
Bemerkenswert ist auch, dass diese sehr junge Landschaft hier auf eine vielschichtige Menschheitsgeschichte trifft. Neben Seen, die älter sind als die meisten Staaten, stehen Dörfer, deren Bewohner sich nach dem Krieg fast vollständig änderten.
Für viele Menschen verändert der Moment, in dem sie verstehen, dass sie auf Spuren der Eiszeit blicken, ihre Wahrnehmung Masurens grundlegend. Es sind dann nicht mehr nur „schöne Seen“, sondern ein Stück der gewaltigen Geschichte der Natur, eingeschrieben in die Landschaft.